AACHENER SAGEN UND LEGENDEN

      

Die Lousbergsage

erzählt von Bernd Altgassen

Wählt man die von Osten kommende Landstraße 258 via Trierer Straße, Adalbertsteinweg nach Aachen, sieht man ihn schon von weitem. Da liegt er am Horizont mitten in der Straßenflucht. Wie hingemalt. Der Lousberg. Auch vom niederländischen Schneeberg betrachtet, sieht er aus wie eine unnatürliche Erhebung. Und das ist er auch. Nicht von Gotteshand geschaffen, sondern Teufelswerk.
Die listigen Aachener hatten den Teufel bei dem Geschäft um die Finanzierung des Dombaus nicht nur heftig düpiert sondern aufs Schmerzhafteste gekränkt. Das forderte Rache. Aachen sollte samt Dom für immer zugeschüttet werden.
An der Nordsee schaufelte unser Pferdefuß tonnenweise Sand in riesige Säcke. Er musste ihn nur noch nach Aachen schleppen. Die Stadt und die Städter sollten unter dem Sand ersticken.
Der Tag war heiß, die Sonne brannte ins Gesicht. Die Säcke drückten auf den Schultern. Zu alldem kam noch Wind auf und blies ihm seinen Sand ins Gesicht. Er musste ein wenig verschnaufen, konnte eh nichts mehr sehen.
Der Gehörnte setzte die Säcke ab, als ihm eine alte, arm aussehende Frau entgegenkam. „Gute Frau, wie weit ist es wohl noch bis Aachen?“ fragte er, die Augen von Sandstaub verklebt. Die Bäuerin war „lous“, das heißt soviel wie schlau. Pferdefuß und Schwanz des Wanderers waren ihr nicht entgangen.
Sie komme vom Aachener Markt, sagte sie. Sie zeigte ihm das inzwischen steinharte Brot in ihrem Korb und die verschlissenen Schuhe und beteuerte, sie auf dem Markt gekauft zu haben. Es sei furchtbar weit bis Aachen. Verärgert wollte der Satan die schwere Last wieder schultern, da warf sie geistesgegenwärtig einen Rosenkranz auf die teuflische Fracht. Entmutigt ließ der gebeutelte Luzifer die Säcke stehen und stob fluchend davon. Der größte Teil des Sandes bildet den heutigen Lousberg, zwei kleinere den Salvator– und den Wingertsberg. Sie bestehen aus reinem Meeressand mit Muschel- und  Seetangteilchen durchsetzt. Mit etwas Glück kann man sogar versteinerte Meerestierchen darin finden.
1985 schuf die Aachener Künstlerin Christa Löneke-Kemmerling die Bronzeplastik „Teufel und Marktfrau“ die am Fuße des Lousberg  in der oberen Kupferstraße davon zeugt, wie eine einfache Frau die Aachener rettete. Das zeigt, dass die Aachener selbst für den Teufel zu gerissen sind: „De Oecher send der Düvel ze lous“. *

* "Die Aachener sind dem Teufel zu schlau"

 

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