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Vielerorts
sind die Geburtstätten von Bächen und Flüssen, die Quellen,
sagenumwoben. Das ist in Aachen nicht anders. Brodelnde, murmelnde,
gurgelnde, nach Schwefel stinkende, heiße Quellen riefen geradezu nach
Ungeheuern.
Ein Teufelsgeschöpf, das in Aachen sein Unwesen trieb, war das Bahkauv, ein
nachtaktives eberartiges, schuppenbedecktes Untier mit scharfen Hauern,
einem mächtigen Schwanz und langen Krallen an den Zehen. In anderen Schilderungen sah es Auerochsen oder Echsen ähnlich.
Schließlich bekam man es in der Dunkelheit nie richtig zu Gesicht.
Es wohnte in unterirdischen Höhlen, in der Umgebung des Kolbert, einem
Brunnen zwischen Büchel und Holzgraben. Hier im historischen Quellbereich
wuschen die armen Bürger ihre Wäsche und sparten sich so das Aufwärmen
des Wassers.
Es griff nicht immer und nicht jeden an, sondern war durchaus wählerisch.
So ging schon zu Karl des Großen Zeiten die Sage, dass sein Vater Pippin
der Kurze mit ihm gekämpft habe. Tagsüber schlief das Wesen
offensichtlich. In den Abendstunden erschien es und ging mit Kettengerassel
besonders auf Kinder los, die sich noch in den Straßen aufhielten.
In der Nacht lauerte das Untier alkoholisierten Heimkehrern auf, hängte
sich an deren Rücken und lies sich von den Betrunkenen bis vor deren Haustür
schleppen. Auf diese Weise soll das nach Schwefel stinkende Bachkalb viele
alkoholisierte Zecher auf den rechten Weg gebracht haben, ob aus Angst vor
ihm oder ihren Ehefrauen oder Furcht vor dem Gerede der Nachbarn.
Die Frauen behaupteten ohnehin, es sei pure Erfindung der Männer, die die
wahren Gründe der Ausgaben am Tresen vertuschen wollten und behaupteten,
das Bahkauv habe ihnen alles abgenommen.
Hier enden die meisten Erzählungen. Doch weiß jeder Aachener, dass es sich
anders zutrug. Denn
eines Tages hatte der Wächter vom Jakobstor das Tier gesehen
und konnte es genau beschreiben. So wurde er beauftragt, das Viertel
zu beobachten und zu bewachen. Leider
kam er immer wieder den entscheidenden Augenblick zu spät, wenn wieder
einmal ein armer Bürger Bekanntschaft mit dem Unhold machte und seines
letzten Geldes beraubt wurde.
Schließlich sollte ein Schmiedemeister mit schraubstockgroßen Pranken der
Angst ein Ende setzen. Auf seinem Heimweg in die Königstraße von seiner
Stammkneipe der "Kette" schlenderte er die Jakobstraße hinauf,
als er plötzlich ein Rasseln und Fauchen hinter sich hörte. Gelassen zog
er weiter, bis das Tier ihm im Genick saß.
Er bekam seinen Angreifer zu fassen, wirbelte ihn durch die Luft und ließ
ihn auf den Boden krachen. Vor Schmerz gekrümmt wand sich das Bündel
wimmernd auf der Erde, als die Nachbarn vom Lärm geweckt mit Licht
herbeieilten.
Und wer steckte in der Verkleidung? Der Wächter vom Jakobstor. Der Chronist
vermerkt hierzu: " Item anno domini 1605 an dem 12. Novembris ist Hans
Palmen, Torwächter am Jakobstor, Diebereien halber und falscher Maskerade
ein Unthier machend, in acht geführt und peinlich examiniert worden; wurde
mit Ruthen ausgestrichen, gebrannt und der Stadt Aach zu ewigen Tagen
verwiesen. "
Von nun an konnten die braven Bürger wieder ihren Abendschoppen ohne Angst
zur Brust nehmen.
Leider wurden Aachens Bäche und Quellen überbaut, zubetoniert und unter
die Erde verbannt. So ist auch der Reiz verloren gegangen, Geschichten wie
die vom Bahkauv zu ersinnen.
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